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Als im Jahre 1839 die erste Ausgabe des Barzaz Breizh von Théodore Hersart de la Villemarqué (1815 – 1895) in Paris erschien, ahnte wohl niemand, auf welch große Resonanz diese Sammlung stoßen und welch nachhaltige Wirkung sie auf die Kulturentwicklung der Bretagne haben würde. In den Jahren 1845 und 1867 folgten um das Doppelte erweiterte Ausgaben. Die Sammlung der bretonischen Volkslieder des jungen La Villemarqué fiel in eine Zeit, in der das romantische Interesse für die Wurzeln des Volkstums und des ursprünglichen Keltentums neu erwachte. Das Barzaz Breizh erregte in besonderem Maße das Aufsehen der gebildeten Welt, da man in Paris davon ausgegangen war, dass die Wurzeln des keltischen Volkstums der Bretonen durch die Wirren der französischen Geschichte verloren gegangen waren. So kann man sich wohl auch den bald auftretenden Zweifel an der Authentizität der Lieder erklären, dem sich La Villemarqué ausgesetzt sah. Der entflammte Streit konnte erst lange nach seinem Tode durch die Entdeckung der Notizbücher La Villemarqués geschlichtet und aus der Welt geräumt werden. Sie belegen unwiderruflich die Echtheit der gesammelten Lieder.

Erstmals werden hier die Übertragungen sämtlicher von La Villemarqué herausgegebenen historischen Lieder in deutscher Übertragung von A. Keller/ E. v. Seckendorff (Ausgabe 1840) und M. Hartmann/L. Pfau (Ausgabe 1895) dem Publikum vorgestellt und wieder zugänglich gemacht. Die einzelnen Kommentare versuchen die geschichtlichen, mythologischen und gesellschaftlichen Hintergründe anzudeuten. Noch heute werden einzelne Lieder dieser Sammlung musikalisch neu interpretiert.